Maßnahmen gegen Sikawild zum Schutz des Waldes und der heimischen Wildpopulation richtig, aber Regeln zur Haltung in Gehegen unverhältnismäßig / Briefe an Landesregierung, Bundesregierung und Europäische Kommission


Um die Tiere droht ein heftiger Streit. Das sogenannte Sikawild, das in unserer Region, insbesondere im Arnsberger Wald, vorkommt, schädigt die Bäume. Ähnlich wie Wisente fressen sie sehr häufig die Rinde. Die Wiederaufforstung, nachdem viele Bäume durch Trockenheit und Borkenkäfer abgestorben sind, wird durch das Sikawild gefährdet. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Sikawild mit heimischen Wildarten paart und dadurch sogenannte Hybride entstehen. Sikawild ist in der Europäischen Union nicht heimisch, sondern vor vielen Jahren aus Asien eingeführt worden.

Aufgrund dieser Fakten hat die Europäische Kommission im vergangenen Jahr eine sogenannte Durchführungsverordnung beschlossen und den Sikahirsch (Cervus nippon) in die Unionsliste als invasive gebietsfremde Art aufgenommen. So weit so gut - insbesondere viele Waldbesitzer und Jäger befürworten einen verstärkten Abschuss dieser nicht heimischen Tierart. Auch Peter Liese befürwortet eine stärkere Bejagung des Sikawildes: „Wir müssen unseren heimischen Wald schützen, und dass das Sikawild dabei ein Problem ist, bestätigen viele Experten, auch aus der Region.“


Ein Problem sieht Liese jedoch in den recht strengen Vorschriften für die Haltung in Gehegen. Nach einer Übergangsfrist bis Ende 2027 wird auch die Zucht und Vermehrung von Sikahirschen in Gehegen nicht mehr erlaubt. Bestände sollen langfristig auslaufen, eta durch Abschuss oder durch natürliche Reduktion. Viele Verantwortliche glauben daher, dass sie schon in wenigen Monaten mit dem Töten der Tiere beginnen müssen. 
Begründet wird diese Maßnahme damit, dass die Population in den Wäldern dadurch entstanden ist, dass Tiere aus Gehegen entkommen sind.

Vor vielen Jahrzehnten wurde Sikawild im Arnsberger Wald in einem Gehege gehalten. Weil die Zäune nicht ausreichend gepflegt wurden, sind Tiere entkommen. Noch vor kurzem gab es einen ähnlichen Vorfall in Bayern [1]. Trotzdem regt sich Widerstand, und Liese bemüht sich um eine pragmatische Regelung.

„Natürlich muss man die Gehege sehr gut kontrollieren. In unserer Region geschieht das aber nach meiner Kenntnis. Aus meiner Sicht ist die Übergangszeit bis August 2027 viel zu kurz. Glücklicherweise bietet die europäische Regelung die Möglichkeit zu Ausnahmen. Ich habe mich deshalb an die Landesministerin Silke Gorißen, an Bundesumweltminister Carsten Schneider und an die zuständige Kommissarin Jessika Roswall gewandt, diese Ausnahmen großzügig anzuwenden. Grundsätzlich müssen alle Maßnahmen verhältnismäßig sein, das gilt auch in diesem Fall. Das Problem ist das Sikawild in freier Wildbahn, und hierauf muss man die Anstrengung zur Regulierung konzentrieren“, bekräftigte Liese.

[1] https://www.pirsch.de/news/auf-einmal-sika-im-revier-woher-kommen-die-tiere-36446, https://www.wochenblatt-dlv.de/regionen/franken/sikahirsche-ausgebuext-kommen-571663