Wir müssen jetzt nach vorne schauen / 10-Punkte Plan für heute, morgen und übermorgen  

„Die Verärgerung über den schleppenden Anlauf der Impfstoffversorgung in der Bevölkerung und vor allem bei meinen ärztlichen Kollegen ist verständlich, die Kritik von Oppositions- und teilweise auch Regierungspolitikern ist aber unmäßig und lässt wesentliche Aspekte außen vor“, so kommentiert der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP, Christdemokraten) Dr. med. Peter Liese die derzeitigen Diskussionen in Deutschland.

„Es wird in der Debatte zu wenig berücksichtigt, dass BioNTech zwar ein solides, europäisches mittelständisches Unternehmen ist, dass aber die Beteiligung des amerikanischen Mulits Pfizer nicht nur Vorteile hatte. Nach meinen Informationen hat Pfizer in den Verhandlungen lange darauf bestanden, von jeglicher Haftung auch bei eigenen Fehlern, ausgenommen zu werden und das ist sicher keine triviale Frage. Bei der Haftung geht es nicht mehr nur um Geld, sondern auch um die Frage, ob man nicht sorgfältiger arbeitet, wenn man weiß, dass man selber haftet. Gerade angesichts der Tatsache, dass ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland und anderen europäischen Staaten nicht weiß, ob sie sich impfen lassen wollen, ist es wichtig, den Prozess so zu gestalten, dass man maximales Vertrauen schafft. Ansonsten hätte man natürlich aus heutiger Sichtig von BioNTech/Pfizer bestellen sollen, aber alle, die heute sagen, dass sie es damals schon gewusst haben, sollten sich kritisch hinterfragen. Wenn der deutsche Top-Virologe Christian Drosten nicht behaupten, er hätte es im August schon gewusst, sollte jeder, der meint, er hätte es gewusst, wirklich kritisch prüfen“, so Liese.

Vor allem aber bringt es uns nichts, wenn wir jetzt in der Vergangenheit nach einem Schuldigen suchen, nach dem Motto ‚Hätte, Hätte Fahrradkette‘. Das lässt das Virus nicht schneller verschwinden. Es ist jetzt wichtig, dass alle gemeinsam das richtige tun, um in den nächsten Monaten so viele Menschen wie möglich in Deutschland, der EU und weltweit zu impfen“, so der Arzt und CDU-Europaabgeordnete.

Liese schlägt zehn konkrete Punkte vor, die notwendig sind oder bereits eingeleitet wurden, um die Pandemie zielgerichtet und lösungsorientiert zu bekämpfen. Dabei ist es Liese wichtig, die Impfung durch den bestehenden Impfstoff von BioNTech/Pfizer so schnell wie möglich effizienter zu gestalten. „Durch die Nutzung von speziellen Spritzen, die aber allgemein verfügbar sind, kann man aus einer Ampulle nicht nur fünf, sondern sechs Dosen bekommen. Dies hatte BioNTech zunächst nicht beantragt und deswegen konnte es die EMA auch nicht genehmigen. „Der Antrag liegt aber mittlerweile vor und ich appelliere an die EMA, dies in den nächsten Stunden zu genehmigen“, so Liese. Auch die anderen Projekte, wie zum Beispiel das des Tübinger Herstellers CureVac sollten weiter vorangetrieben werden.

Eine der wichtigsten aber auch schwierigsten Fragen ist nach Ansicht Lieses, wie man mit dem Impfstoff von AstraZeneca umgeht. „Der Impfstoff scheint nicht so wirksam zu sein wie derjenige von BioNtec und Moderna. Aber er ist verfügbar und hat bei jüngeren Bevölkerungsgruppen durchaus eine Schutzwirkung. Es sollte eine eingeschränkte Zulassung angestrebt werden, um den Menschen, die dies wünschen, schnell eine Impfung mit diesem Impfstoff zu ermöglichen“, so der Arzt und Abgeordnete.

Am wichtigsten ist Liese der 10. Punkt in seinem Papier. „Auch in Großbritannien und den USA ersetzt die Impfung bisher nicht die bewährten Maßnahmen gegen das Coronavirus. Daher sind die ergriffenen Maßnahmen wie die Schließung von Bars, Restaurants und Geschäften leider weiterhin unumgänglich. Aber wir müssen trotzdem dafür sorgen, dass die Schulen, insbesondere die Grundschulen, so schnell wie möglich wieder geöffnet werden - allerdings mit viel besseren Konzepten als in der Vergangenheit. Im Gegenzug ist es notwendig Maßnahmen, die sich in anderen Ländern bewährt haben, auch in Deutschland umzusetzen, zum Beispiel eine Pflicht zum Homeoffice, wann immer dies möglich ist, eine Belegung des ÖPNV mit maximal 25% und eine Regelung, die Menschen ermutigt, sich nicht in den eigenen vier Wänden sondern im Freien zu treffen. Mit diesen Maßnahmen werden wir in den nächsten Wochen sehr erfolgreich sein. Und wenn dies umgesetzt wird, werden die nächsten Wochen sehr viel weniger belastend sein als die letzten vier Wochen - vor allem für die Patienten und die Menschen, die auf den Intensivstationen arbeiten“, so Liese.

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